Kolumbiens Motto: ,,Sorge dich weniger. Lebe mehr.”

Preocúpete menos. Vive más.

Sorge dich weniger. Lebe mehr.

So steht es auf einer Hauswand nahe der schmuddeligen, zu jeder Tageszeit rammelvollen Avenida Jimenéz im Zentrum von Bogotá. Eine Nation und ihr Motto. Wozu sorgen? Es hilft ohnehin nicht, sich zu ärgern, zu sorgen, zu beschweren. Nichts ändert sich, nichts wird besser dadurch. Stattdessen, lebe den Tag, genieße jede Minute. Es könnte schon dein letzter sein. Nichts ist ewig in dieser fragilen Welt, Gesellschaft. Immer noch geprägt durch Gewalt, Terror und Kriminalität. Leider immer noch. Obgleich viel sicherer, viel moderner als noch vor zwanzig Jahren, ach, vor zehn, so ist sie dennoch die Gesellschaft eines zerrütteten Landes von deplatzierten Familien und Kommunen, von gefolterten Journalisten, diskriminierten Minderheiten und ausgebeutetem Bauernvolk. Eben ein Schwellenland, das seine Wehwehchen hat. Da hilft kein Sorgen, kein Jammern. Da hilft nur, die Ärmel hochkrempeln und nach vorne schauen, auf dass der nächste Tag besseres bringe. Frieden zum Beispiel. Ein großes Wort und in aller Munde. Allen voran in den Mäulern der Propagandaminister. Friedensgespräche führen sie. Mit der FARC in Kuba – ausgerechnet. Sie aalen sich – Rebellenanführer und Diplomaten gleichermaßen – in den Fünf-Sterne-Hotels Havannas und besprechen ihre Kompromisse. Da fühlen sich die kleinen Guerillagruppen Kolumbiens leicht übergangen. Sie sind nicht geladen zur großen Friedensparty, werden nicht ernst genommen von den „Erwachsenen”. Und so machen sie Radau, sperren Straßen und drohen damit, Busse und Autos in die Luft zu jagen wie ein beleidigtes Trotzkind.

Es wird noch viele Jahre dauern bis hier Milch und Honig für alle fließen. Bis dahin bleibt nur eines: Die schönen Seiten des Landes sehen. Die Natur, die Folklore, die Musik, das Essen, die warmen Menschen und ihre offenen Arme. Denn sie lachen, sie tanzen, sie wärmen sich und andere. „Sorge dich nicht. Lebe!” Sie haben es längst begriffen, die Kolumbianer. Das Leben ist grausam und fragil. Es ist aber auch schön und großzügig. Man muss es nur sehen wollen.

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