Auf der Suche nach El Dorado – Kolumbiens schmutziges Geschäft mit dem Gold

Kolumbien ist in vielerlei Hinsicht ein mystisches Land, ein märchenhaftes, sagenumwobenes und fantastisches. Fliegt man hin, landet man in der Regel am El Dorado Flughafen in Bogotá und die Magie ist perfekt. Das eigentliche El Dorado liegt tatsächlich etwa zwei Stunden vom Flughafen entfernt, nördlich von Bogotá. Ein Bergsee, in dem die Kolonialherren so viel Gold fanden, dass die Sage von El Dorado geboren war. Der See, die Laguna Guatavita, schimmert türkis auf 3000 Meter Höhe. Die Legende besagt, dass die Muisca-Herrscher auf Goldflößen hinaus auf den See fuhren und das Gold den Göttern opferten, indem sie es hinein warfen. Ihre Körper waren bei dem Ritual von Goldstaub bedeckt.

Die Spanier hörten die fantastischen Erzählungen über das Goldfloß von ihren Muisca-Gefangenen und begannen bald die Suche danach. In Trockenzeiten versuchten sie den See ganz trockenzulegen, scheiterten jedoch. Hunderte Muisca verloren beim Trockenlegen ihres eigenen historischen Schatzes ihr Leben. Gold fanden die Spanier dennoch bei den Arbeiten – genug, um die Legende anzufeuern. Den See Guatavita kann man heute besuchen, auf seinem Grund unter meterdickem Schlamm vermutet man Schätze in Millionenhöhe. Der See steht jedoch – nach unzähligen misslungenen Versuchen ihn zu leeren – inzwischen unter Schutz.

Das Goldgeschäft kostet noch immer Leben

Gold kostet auch heute noch Leben. Nicht mehr am See Guatavita, dafür vor allem im westlichen Cauca wird nach gelben Schätzen gegraben. 1,5 Millionen Umsatz verzeichnete das Land 2009. Die Nation, die so reich an Gold und anderen Edelmetallen ist, könnte eigentlich ordentlich aufrüsten, von seinen Exporten Infrastruktur und Bildung fördern, sich entwicklungspolitisch an andere OECD-Staaten anschließen und zur wirtschaftlichen Superpower werden. Eigentlich. Doch in Kolumbien sind die Strukturen nicht so einfach wie in Europa. ,,Es gibt nicht ein Kolumbien, sondern viele”, sagte mir beispielsweise ein Stiftungsmitarbeiter immer wieder. Je nach Region herrscht jemand anderes: Familien, kriminelle Banden, Paramilitärs, linke Terrorgruppen und korrupte Politiker erschweren die sinnvolle Investition von Einnahmen, profitieren vom Goldgeschäft.

Neben offiziell angemeldeten Goldminen gibt es mindestens zwei Drittel illegale, die weder registriert noch genehmigt sind. Hierbei geht es nicht nur um kleine Goldgräber mit Spitzhacke und Schaufel, die ihre Familie durchbringen möchten. Es sind kriminelle Banden, die abbauen, gut organisiert und im großen Stil. Von den prekären Arbeits- und Umweltstandards einmal abgesehen, finanziert der Goldschmuggel kriminelle Interessengruppen wie kriminelle Banden, ehemalige paramilitärische Gruppen, und die linken Terrorgruppen FARC und ELN, die sich einen nun 50-jährigen bewaffneten Kampf mit Regierung und Militär liefern. Es heißt, dass das Goldgeschäft inzwischen das Kokaingeschäft abgelöst habe. Anders als in der Kokainproduktion, sei Gold, sobald es die Mine verlasse habe, legalisiert und könne per Export, vor allem in die Schweiz, zu Geld gemacht werden. Die Einfädelung illegaler Goldströme in die herkömmlichen Exportwege sei einfach. Dazu genüge es, das Gold in kleinen Mengen zu Ankaufstellen und Giessereien zu bringen. Rauschgifthändler waschen zudem Geld mit Tätigkeiten im Goldhandel.

Kinderarbeit und das Verbot der Gewerkschaftsbildung

Neben erheblich schlechter Umweltstandards – der Quecksilberverseuchung artenreicher Flüsse etwa – spielt auch Kinderarbeit in der gefährlichen Tätigkeit eine Rolle. Sauerstoffmangel, Explosionen, gefährliche Gase und Einstürze sind nur einige der Gefahren im Bergbau, denen auch Kinderarbeiter ausgeliefert sind. Im Gespräch mit Gewerkschaftsdachverbänden wurde mir immer wieder gesagt, das der Bergbau nicht nur unter den prekärsten Arbeitsbedingungen leide, sondern seine Gewerkschafter auch häufig zu den jährlichen Statistiken der Mordopfer hinzugezählt würden. Sie gefährden mit ihren (bescheidenen) Ansprüchen auf faire Entlohnung und Sicherheit das Geschäft mit dem Gold, zumindest jedoch stören sie erheblich.

Letztendlich sind es auch die Verbraucher und Einkäufer in Europa, die sich mit dem Thema Transparenz auseinandersetzen müssen, um Konflikt, Krieg, Kinderarbeit und Geldwäsche Einhalt zu gewähren. Mehr zum Thema Goldabbau und Export in Kolumbien.

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One thought on “Auf der Suche nach El Dorado – Kolumbiens schmutziges Geschäft mit dem Gold

  1. Das mit dem illegalem Goldabbau ist nicht nur in Kolumbien ein Problem, sondern auch leider in Peru. Da gibt es eine ganze Infrastruktur mit rund dreißigtausend Menschen, welche dort illegal leben ohne staatliche Präsenz und Kontrolle.
    Zu sehen bekommen dies so langsam auch die Reisenden, die in die Gegend von Manu und Tambopata kommen. Grüsse aus Peru.

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