Happy Valentine: Wer zahlt den wahren Rosen-Preis?

Kolumbiens Schnittblumenindustrie ist die zweitgrößte der Welt – auch dank katastrophaler Arbeitsbedingen

Bei Kolumbiens Exportschlagern denkt man zuerst einmal an Kaffee, dann vielleicht an Bananen, Öl oder Kohle. Weniger denkt man an Schnittblumen. Genau die lassen Südamerikas zweitgrößte Volkswirtschaft jedoch enorme Gewinne einfahren. Etwa 1,3 Milliarden US-Dollar bringen die romantischen Botschafter jährlich ein und machen Kolumbien zum zweitgrößten Blumen-Exporteur weltweit nach den Niederlanden. Zum Vergleich: Kaffee fährt jährlich 1,9 Milliarden US-Dollar ein und liegt somit nur knapp vorne.

1,3 Milliarden US-Dollar Gewinne jährlich

Selbst das Nachbarland Ecuador, berühmt für seine Rosen, fällt zurück. Seine Hauptkunden sind die Russen. Ein Drittel der kolumbianischen Blumen gehen in die Vereinigten Staaten. Dank des Valentinstages macht allein diese Zeit im Februar für die kolumbianische Blumenindustrie etwa ein Zehntel des jährlichen Gewinns aus.

Prekäre Arbeitsbedingungen für Blumenschneider

Valentinstag ist vorbei. Und wie sieht’s nun wohl bei den kolumbianischen Arbeitern aus? Bestenfalls schwielige Hände, Rückenschmerzen und müde Augen, schlimmstenfalls Kopfschmerzen, errötete Augen und Husten von den chemischen Mitteln, mit denen die hochgezüchteten Schnittblumen behandelt werden. Geld für den nötigen Arztbesuch dürften sie dennoch kaum haben, eine Krankenversicherung sicher auch nicht.

,,Kolumbiens Blumenindustrie zählt zu den prekärsten Branchen in ganz Kolumbien. Mangelnde Sicherheitsbedingungen, etwa Handschuhe und Maske, Akkordarbeit bei niedrigem Lohn und Ausbeute durch prekäre Zeitverträge, natürlich ohne soziale Sicherheit, sind Gang und Gäbe”, weiß Andrés Sanchez, Anwalt für Arbeitsrecht und Mitarbeiter der Gewerkschaftsschule in Medellín. ,,Um den Valentinstag verdreifacht sich die Belastung der Angestellten schnell mal”, so Sanchez weiter. Bis zu 20 Stunden arbeiten die Blumenschneider täglich, etwa 250 bis 300 Rosen in der Stunden ,,ernten” sie.

Vier US-Dollar für eine Valentintags-Rose

Es sind Bedingungen wie diese, die erahnen lassen wie es kann, dass eine Rose in Deutschland ab etwa fünf Euro, in den USA schon ab vier Dollar zu haben ist. Und das obwohl die Preise für Cargo um den Valentinstag steigen wegen der extra Flug- und LKW-Ladungen Blumen, mehr Personal im Floristikversandhandel sowie in der Produktion eingesetzt werden muss.

Umdenken bei Verbrauchern kann Druck ausüben

Rosen halten sich hartnäckig als Liebesbotschafter. Vielleicht wäre es an der Zeit, in Zeiten der Aufklärung und der wachsenden Gleichberechtigung, dass wir Frauen endlich diesen alten Hut boykottieren. Das wäre doch ein schöner Kampagnenauftrag für den Valentinstag 2016, oder? ,,Rosen? Mit dem bisschen Grünzeug kriegt Mann mich nicht rum!”

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